schneeglöckchen laeutet den frühling ein
geweckt vom kosenden sonnenstrahl
im schneegewande, so schlicht und klein
auf zartem kelche der hoffnung mal
das fröhliche grün, das alte zeichen
vom frühlingskommen und winterweichen
rings starres schweigen - das glöckchen klingt
auf zartem stengel beim leisesten hauch
es scheint zu beten und flüstert und singt
das wort der weihe nach altem brauch
der lenz ist gekommen, er hat uns gesendet
des winters herrschaft sie ist beendet!
du kleines blümchen - falscher prophet
so höhnt dich lächelnd die kluge welt
ein eisiger nord durch die fluren weht
dichtflockig der schnee vom himmel fällt
schneeglöckchen beugt sich mit todesgebärden
flüstert noch sterbend: lenz muss es werden!
lenz muss es werden - werden gar bald
da naht er siegend mit lauter grün
vernichtet ringsum des winters gewalt
lässt tausend prächtige blumen blüh'n
schneeglöckchen brachte zuerst die kunde
jetzt aber fehlt es im blühenden bunde
denn weil es so nah an der brust der natur
gefühlt die schmerzen der ganzen zeit
drang es hinaus auf die kalte flur
zu künden jubelnd der lenz befreit!
so nahte es liebend um froh zu sterben
schneeglöckchen - darf ich dein schicksal erben?
l. otto